Was macht den amerikanischen Wahlkampf so spannend? Natürlich die Menschen die ihn führen.
Anders als in Deutschland wird in den USA der Wahlkampf in erster Linie als ein direkter Wettstreit zwischen den Kandidaten der beiden großen Parteien – weniger zwischen diesen selber – geführt. In Deutschland stehen die Kanzlerkandidaten in der Regel stellvertretend für ihre Partei. Eine Trendwende wurde hier erstmals seit dem Wahlkampf 1998 verzeichnet. In diesem hatte der damalige Kandidat der SPD, Gerhard Schröder, mit Slogans wie „Ich bin bereit.“, die Partei als Zugpferd abgelöst.
Die Fokussierung auf eine einzelne Person ist in den USA nichts Neues – sondern bereits seit Jahren die Norm. Statt einem undurchsichtigen Kollektiv, mit pluralistischen Meinungen und Einstellungen, steht ein Repräsentant der den Kern der Partei repräsentiert, durchaus aber seine eigenen parteiunabhängigen oder sogar der eigenen Parteiausrichtung entgegengestellten Meinungen vertreten kann und muss. Warum dieser scheinbare Gegensatz so wichtig für den Wahlerfolg – denn dass ist immer das Ziel – ist, wird schnell klar. Bei einer direkten Kontrastierung mit lediglich einer Handvoll Kandidaten hat die Schärfung des eigenen Profils höchste Priorität.
In den USA wird neben den üblichen, mittlerweile regulär genutzten Massenmedien wie Fernsehen, Zeitung oder Radio, bereits seit über 10 Jahren das Internet im professionellen Wahlkampf als neues Medium, dass nicht nur uni- sondern bidirektional kommunizieren kann, intensiv genutzt. Es eröffneten sich etliche neue Wege der Distribution aber auch der Erfassung und Sammlung von Meinungen und Einstellungen. Die Nutzung des neuen Mediums setzte aber – so es erfolgreich sein soll – eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Nutzungsverhalten der User voraus. Fragen wie: „Wen erreichen wir mit diesem Medium?“ wurden anfangs eher außer acht gelassen als heute. Studien, die gezielt Nutzer analysierten und kategorisierten, waren überhaupt nicht oder nur sporadisch vorhanden. Die Nutzer des World Wide Web waren eine disperse Masse, die nicht genauer beschrieben werden konnte.
Aktuell tritt in den USA Barack Obama gegen John McCain an. Barack Obama, der politisches Neuland betritt und gleichzeitig als Symbol eines gelebten Wechsels fungiert, tritt an gegen John McCain, einem Republikaner, der im Jahr 2000 in der Vorrunde der US-Wahlen gegen George W. Bush unterlag. Das rechtfertigt natürlich noch lange keinen Wahlsieg für Obama, geschweige denn die Heraufbeschwörung einer Niederlage seines politischen Gegenspielers. Doch Barack Obama nutzt ganz entscheidend ein Wahlkampfmittel, das John McCain sehr vernachlässigt – das Internet.
Während John McCain noch seine Wahlkampagne ordnet ist bei Barack Obama bereits eine Art virales
Wahlkampf-Marketing in vollem Gange. Die Phrase „Yes we can“ unterstützte seinen Wahlkampf medial als Popsong bereits lange bevor der eigentliche Wahlkampf überhaupt begonnen hatte. Bis zum heutigen Tag wurde das Video auf YouTube bereits über 25 Millionen mal angesehen. Die Verbreitung über andere Video-Portale nicht eingerechnet.
Doch nun stellt sich die Frage: Was sagt diese Zahl über die Wähler von Barack Obama aus? Sagt es eigentlich überhaupt etwas über die Wähler aus? Sind das dann dieselben Menschen die am Schluss des Rennens auch wirklich Barack Obama wählen?
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